Der 5. Zabeltitzer Landschaftstag fand am 09.09.2004 statt. Themen und Referenten sind im folgenden aufgeführt:
An dieser Stelle werden nur einige wenige Bilder vom 5. Landschaftstag gezeigt, wer sich das gesamte Bilderalbum ansehen möchte, der klicke auf den obenstehenden Link
Inhalte:
  • Begrüßung und Einführung in das Thema wassergebundene Wegedecken (Eckehard Franke)
  • Erfahrungen mit wassergebundenen Wegedecken (Uwe Merz)
  • Erfahrungen des SIB, NL Dresden I mit ungebundenen Decken in historischen Grünanlagen und die Suche nach Alternativen für befahrbare Parkwege (Frank Reichelt, gemeinsamer Vortrag mit Herrn von Gagern)
  • Weiterführung des gemeinsamen Vortrages mit Herrn Reichelt (Volker von Gagern)
  • Stabilisierung von wassergebundenen Wegedecken (Georg Armbruster)
  • Enführung in das Thema Oberboden und Hinweise zum Bundes-Bodenschutzgesetz (Eckehard Franke)
  • Zusammensetzung und Eigenschaften von Oberboden im Zusammenhang mit einschlägigen Regelwerken (Georg Armbruster)
  • Probleme der Verfügbarkeit von Oberboden und Alternativen (Dr. Reiner Kloß)
  • Verbesserungsmöglichkeiten der Qualität von Oberboden in der Praxis Dr. Bernd Canitz

Referenten:

  • Eckehard Franke ö.b.u.v. Sachverständiger für Landschaftsbau, Zabeltitz
  • Dr. Reiner Kloß Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Kompost Sachsen/Thüringen e.V., Radibor bei Bautzen
  • Dr. Bernd Canitz Sachverständiger für Landschaftsbau, Zschepen bei Delitzsch
  • Georg Armbruster ö.b.u.v. Sachverständiger für Bodenuntersuchungen und Bodenaufbau bei Sportplätzen, Stadtbergen
  • Frank Reichelt Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), NL Dresden I, SG Ingenieurbau, Dresden
  • Volker von Gagern Landschaftsarchitekt, Inhaber des Landschaftsarchitekturbüro Volker von Gagern, Dresden
  • Uwe Merz Landschaftsarchitekt, Inhaber des Landschaftsarchitekturbüro Uwe Merz, Dessau
Das ist die Geburtstagstorte, welche extra für den Zabeltitzer Landschaftstag gebacken wurde
Die Seminarteilnehmer und Referenten konnten erfolgreich zum gestellten Gruppenbild am Spiegelteich im Barockgarten Zabektitz zusammengetrommelt werden
(war gar nicht so einfach)
Mutter und Tochter
Pressemitteilung zum 5. Zabeltitzer Landschaftstag 2004 (Neue Landschaft November 2004)

Schaut her nach Sachsen!

Im Blickpunkt des 5. Zabeltitzer Landschaftstages: Wassergebundene Wegedecken und die Verfügbarkeit von Oberboden

Was hat die Jahrhundertflut an der Elbe mit wassergebundenen Wegedecken zu tun? Eckehard Franke, der Veranstalter des Zabeltitzer Landschafstages, weiß die Antwort: "Hätte man die Erfahrungen und die technologische Weisheit früherer Generationen nicht vollständig zu den Akten gelegt, wäre es zu solch immensen Schäden gekommen. Beim Wegebau kann man mit diesem Wissensschatz nicht nur Geld sparen, sondern auch Qualitätsmängel vermeiden." Sandgeschlämmte Schotterdecken, so Franke, würden seit Jahrhunderten gebaut und das - bei Beachtung einiger grundlegender Erkenntnisse über Material und Untergrund - durchaus mit Erfolg.

Der ö.b.u.v. Sachverständige hatte beim 5. Zabeltitzer Landschaftstag zwei Themen in den Mittelpunkt gestellt, die den Garten- und Landschaftsbauern auf den Nägeln brennen: den Wegebau und die Verfügbarkeit von Oberboden. In Zeiten knapper Kassen gewinnen kostengünstige Rohstoffe an Bedeutung, die ohne größeren Transportaufwand aus nahe gelegenen Kiesgruben, Steinbrüchen und Kompostieranlagen herangeschafft werden können. Wenn außerdem durch einfache, zweckmäßige Technologien die Baukosten gesenkt werden, steigen die Marktchancen besonders für kleine und mittelständische Landschaftsbaufirmen.

Diesen Interessentenkreis wollte Eckehard Franke auf seinem Landschaftstag im idyllischen mittelsächsischen Zabeltitz erreichen, und mit 50 Teilnehmern platzte die Veranstaltung im fünften Jahr ihres Stattfindens beinahe aus den Nähten. Vertreter von Firmen, Baubehörden und Landschaftsarchitekten aus Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und sogar aus Bayern waren angereist, um ihre Erfahrungen in die Seminare einzubringen und an den Erkenntnissen ihrer Fachkollegen zu partizipieren.

Besonderes Interesse fanden die Ausführungen über den Parkwegebau im Dresdner Großen Garten. Muss doch die Parkverwaltung der Tatsache Rechnung tragen, dass die Wege von Jahr zu Jahr stärker von Fahrrädern und schwerem Pflegegerät frequentiert werden. Oft ist bereits die Tragfähigkeit der für den Fußgängerverkehr ausgelegten historischen Wege überfordert. Besonders in Tauperioden, wenn die tiefer liegenden Teile des Weges noch gefroren sind, "schwimmen" die bereits aufgetauten wassergesättigten Deckschichten. Allein ein Lenkmanöver kann schon zu erheblichen Schäden führen. Verschärft wird die Problematik dadurch, dass die Parkverwaltung heute wesentlich geringere Pflegekapazitäten zur Verfügung hat als in früheren Jahren. Diese Faktoren - und die Zielstellung, die typischen wassergebundenen Wegedecken möglichst zu erhalten, führten zur Anlage mehrerer Teststrecken, die der Dresdner Landschaftarchitekt Volker von Gagern vorstellte. Endgültige Ergebnisse konnte der Fachmann zwar noch nicht präsentieren - die Beläge werden zurzeit erprobt - aber allein die Versuchsanordnung stieß auf lebhaftes Interesse der Seminarteilnehmer. Wird doch im Großen Garten sowohl mit natürlichen Materialien aus der Region (Schotter, Kies, Dolomitkalk) als auch chemisch gebundenen Materialen (Terraway, Gloritbeton) experimentiert. Überdies testen die Dresdner Fachleute die verschiedensten Mischformen beider Komponenten und mehrere Varianten der Oberflächenbehandlung. Auf die Ergebnisse der Untersuchungen darf man gespannt sein, und vielleicht finden sie sich auf der Tagesordnung des nächsten Zabeltitzer Landschaftstages im Jahr 2005 wieder. Die Veranstaltung wird wieder am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Dass die Garten- und Landschaftsbauer keineswegs die Augen vor neuen Technologien und Materialien verschließen, bewies auch der Vortrag des ö.b.u.v. Sachverständigen Georg Armbruster. Der Experte für Bodenuntersuchungen und Bodenaufbau bei Sportplätzen sprach über Erfahrungen mit einem Stabilizer aus Kaktusmark, der in die Caddyways des Golfplatzes Konstanz eingebracht wurde. Auf den steilen Abfahrten der Wege war es - besonders bei Nässe - immer wieder zu Unfällen mit den kleinen Fahrzeugen gekommen. Das organische Material verbesserte nicht nur die Wasserdurchlässigkeit der Caddyways, sondern auch Haft-Eigenschaften und Haltbarkeit. Nach dem Aufbringen einer entsprechenden Deckschicht konnten die Wege sogar mit den Rasen-Pflegegeräten befahren werden. Armbruster - eigens aus dem bayerischen Stadtbergen angereist - würzte seinen Vortrag zudem mit humorvollen Exkursen. Fazit: Eine Wegedecke, die jedem der mannigfaltigen Nutzungs-Ansprüche genügt, gibt es nicht.

Der zweite Schwerpunkt des Landschaftstages widmete sich den Möglichkeiten, qualitativ hochwertigen Oberboden einzubauen. Da es kaum noch Straßenbauprojekte und Industrieansiedlungen gibt, bei denen das Material quasi im Fertigzustand anfällt, gewinnt die Anreicherung mit Kompost an Bedeutung. Der Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Kompost Sachsen/Thüringen, Dr. Reiner Kloß, informierte ausführlich über den Rechtsrahmen und die Möglichkeiten, Fertigkompost aus der Region einzusetzen. Sind doch die Transportwege ein entscheidender Kostenfaktor, und größere Mengen Boden über mehr als 100 Kilometer anfahren zu lassen, sollte aus Rentabilitätsgründen vermieden werden. Der Delitzscher Sachverständige für Landschaftsbau, Dr. Bernd Canitz, verwies auf die Notwendigkeit, alle Möglichkeiten zur Siebung des raren Materials auszuschöpfen. Das entspreche überdies den Forderungen des Bodenschutzgesetzes. Canitz geizte in seinem Vortrag nicht mit praktischen Hinweisen, die bei den anwesenden Fachleuten auf reges Interesse stießen. Die Diskussion entzündete sich an den von Branche zu Branche verschiedenen DIN-Vorschriften für die Bodenqualität. "Da redet ja jeder von etwas anderem", kritisierte der Weimarer Landschaftsbauer Rudolf Kimmer. Der Unternehmer, Chef eines Achtmannbetriebes, gab dem Zabeltitzer Landschaftstag gute Noten. Da seien zwei Themen aufgenommen worden, die aus der Sicht des Praktikers einfach zusammenpassen. Veranstalter Eckehard Franke vernahm es wohl. "Das waren keine Fachbuch-Weisheiten, sondern Dinge, die noch gar nicht in den Büchern zu finden sind", so sein Resümee. "Vielleicht heißt es ja eines Tages: Schaut her nach Sachsen - dort weiß man, wie es richtig gemacht wird."

Manfred Müller, Freier Journalist